Die Kandidierenden zur Landtagswahl zeigen, welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte sie setzen, welche Maßnahmen sie für die Region umsetzen wollen und welche Themen Ihnen im Wahlkreis besonders wichtig sind.
Welche Gesundheitsthemen sind Ihnen im Hinblick auf die nächsten fünf Jahre besonders wichtig und warum?
Bewertung vor dem Hintergrund des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes:
Die Gesundheitsversorgung steht in den kommenden fünf Jahren vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Der demografische Wandel, der zunehmende Fachkräftemangel sowie wachsende regionale Ungleichheiten erfordern eine konsequente Neuordnung der Versorgungsstrukturen.
Um dem zunehmendem Ärztemangel entgegenzuwirken, müssen Ärzt_innen spürbar von Verwaltungs- und Dokumentationspflichten entlastet werden, um mehr Zeit für die Patient_innen zu haben.
Zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum gehört zudem die Sicherstellung von Notfallpraxen und integrierten Notfallstrukturen. Reformen dürfen nicht ausschließlich an Effizienz- und Qualitätskennzahlen ausgerichtet werden, sondern auch an Erreichbarkeit und Versorgungssicherheit.
Die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, würde die Einnahmebasis verbreitern und die finanzielle Stabilität des Systems verbessern.
Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Gesundheitsversorgung in Ihrem Wahlkreis und wo sehen Sie den dringlichsten Bedarf etwas zu verbessern?
Je weiter man sich von der Stadt entfernt, desto mehr nimmt die ärztliche Dichte ab. Besonders betroffen sind Facharzt-, Kinderarzt- und auch hausärztliche Versorgungsangebote. Viele Praxen stehen vor der Schließung, da Nachfolgerinnen fehlen.
Kooperative Versorgungsmodelle wie Medizinische Versorgungszentren, Gemeinschaftspraxen und sektorenübergreifende Gesundheitszentren können jungen Ärzt_innen attraktivere Arbeitsbedingungen bieten und die Wahrscheinlichkeit einer Niederlassung im ländlichen Raum erhöhen.
Ein zentrales Ärgernis für Patient_innen sind lange Wartezeiten, insbesondere bei Fachärzt_innen.
Die kassenärztliche Vereinigung sollte Stadt- und Landregionen getrennt betrachten, damit Unterversorgung im ländlichen Raum nicht länger durch Überversorgung in Ballungszentren statistisch ausgeglichen wird.
Welche Maßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten und zur Förderung der Gesundheit sind für Sie am wichtigsten und wie setzen Sie sich für eine Umsetzung dieser Maßnahmen in Ihrem Wahlkreis ein?
Prävention ist der wirksamste und zugleich kosteneffizienteste Ansatz zur langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung. Organisationen und Einrichtungen, die im Bereich der Prävention tätig sind, leisten unverzichtbare Arbeit, häufig auf ehrenamtlicher Basis. Ihre Finanzierung durch Land, Kommunen und Krankenkassen muss verlässlich sein und an die Kostenentwicklung angepasst werden.
Deshalb muss Gesundheitsförderung früh ansetzen – etwa durch Ernährungsbildung in Kitas und Schulen – und durch Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ergänzt werden.
Welche Herausforderungen gibt es Ihrer Meinung nach in der Pflege in Ihrem Wahlkreis und welche Maßnahmen sind erforderlich, um diese zu bewältigen?
Die Pflege steht vor massiven Herausforderungen. Steigende Eigenanteile, Personalmangel und fehlender Wohnraum für Pflegekräfte verschärfen die Situation erheblich. Gleichzeitig wächst der Pflegebedarf durch den demografischen Wandel weiter an.
Internationale Pflegekräfte sind ein wichtiger Teil der Lösung. Hier sind dringend vereinfachte und beschleunigte Verfahren bei der Anerkennung und Einreise erforderlich. Pflegekräfte müssen angemessen bezahlt werden,
Auch pflegende Angehörige leisten einen unverzichtbaren Beitrag und sollten finanziell besser unterstützt werden. Dokumentationsaufwand in der Pflege muss deutlich reduziert werden, damit Pflege wieder ihrem Kernauftrag gerecht werden kann.